Als ob wir nicht schon genug Urlaub hatten in den letzten Wochen, waren wieder einmal 3 Monate rum, was für uns bedeutet, für mindestens 72Stunden raus aus Costa Rica um die Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Wieder einmal entschlossen wir uns, in das benachbarte Nicaragua zu fahren – wohl zum letzten Mal in diesem Jahr.
Da mich schon die ganze Woche davor eine Grippe begleitet hat und sich etwas verschlechterte, blieb ich freitags daheim, um mich vor der Reise nochmal ausruhen zu können. Da wir die Tage zuvor länger gearbeitet haben, durfte Caro schon um 11Uhr von der Arbeit gehen. Netter Weise fuhr uns ein Freund mit dem Auto nach San José von wo aus um 12:30Uhr der „TicaBus“ - auf der uns schon bekannten Route - nach Nicaragua startete.
Unsere erste Station lautete Isla Ometepe. Da wir erst am späten Abend in Nicaragua ankamen übernachteten wir für eine Nacht in einem etwas schäbigen Hostel in Rivas um am nächsten Morgen früh die lancha (Fähre) auf die Insel zu nehmen. Die Insel, die aus zwei Vulkanen besteht liegt auf dem Lago de Nicaragua (Nicaraguasee), nahe der costaricanischen Grenze. Während des Sprachkurses zu Beginn unseres Jahres, lernten wir Marcelo kennen, der seinen Freiwilligendienst auf dieser schönen Insel ableistet. Es war richtig schön ihn wiederzusehen und vorallem zu sehen, wie und wo er lebt. Witziger Weise kam Tabea (Freiwillige aus Bilwi), die gerade Besuch von ihrem Freund hat, am selben Tag auch auf Ometepe an. Wer hätte das gedacht, dass wir uns nocheinmal treffen? :-)
Samstag und Sonntag ließen wir ruhig angehen. Strand, ausschlafen, Ojo de Agua (ein künstlich angelegtes Naturschwimmbad)...Da für den folgenden Tag großes geplant war und ich immer noch etwas geschwächt von der Grippe war, gingen wir recht früh schlafen. Der Montag begann sehr früh für uns: um 4:30Uhr klingelte der Wecker, anziehen, Rucksack schnappen und die 20m zu Marcelos Wohnung laufen, wo dieser und sein Mitbewohner schon auf uns warteten. Nach einem leichten Frühstück (Rührei und Brot) begannen wir um 5:30Uhr den mühsamen Aufstieg auf den 1610m hohen Vulkan Conception, dem fast perfekt kegelförmigen, höheren der beiden Vulkane der Insel. Da die Insel noch recht untouristisch ist, besteigen nicht viele Touristen den Vulkan (wir waren die einzigen Personen an dem Tag), weshalb es aber auch nur einen kleinen Trampelpfad gibt und man häufig mit Hilfe der Händen den steilen Hang hinaufklettern muss. Doch Dank unserer - durch tägliches Training - bestehenden Kondition (niiiiiiiiicht) war das für uns natürlich kein Problem! Glücklicherweise lang der Vulkan während des ganzen Aufstiegs im Nebel, weshalb wir die Spitze nicht sehen konnten und uns Juan Carlos (der nicaraguanische Mitbewohner Marcelos) immerwieder mit „ya casi llegamos!“ (wir sind schon fast angekommen!) motivieren konnte. (Hätten wir freie Sicht gehabt und gesehen, wie weit wir vom Ziel tatsächlich noch entfernt sind, wären wir bestimmt nie oben angekommen!) Erstaunlich fit kamen wir dann nach einem ca. 6stündigen Aufstieg oben am Krater an. Leider hatte sich der Nebel immernoch nicht verzogen...
Der schon sehr anstrengende Aufstieg war jedoch noch erholsam im Vergleich zum bevorstehenden Abstieg! Die ein oder andere hatte die eigenen Kräfte etwas überschätzt, wodurch wir nur in sehr gemächlichen Tempo und mit vielen Pausen den steilen Abhang absteigen konnten. Nach 13 Stunden, in denen wir einen 1610m hohen Vulkan bezwangen, jeder mit 4 Litern Wasser, Mangos, Bananen und Bohnen bepackt, fielen wir fix und fertig, aber stolz in unsere Betten!
Am nächsten Tag blieben wir alle vom Muskelkater natürlich nicht verschont. Dennoch ging unsere Reise gleich morgens früh weiter. Die nächste Station lautete Matagalpa. Marcelo entschied sich spontan mit uns mitzukommen, da auch er die dortigen Freiwilligen kennt. Auch wenn die Fahrt insgesamt 8 oder 9 Stunden dauerte, kam es uns nicht so lange vor, da man öfters umsteigen musste und für mich die Umwelt immer noch sehr intressant und faszinierend ist: übervollgestopfte Busse, „Managua, Managua, Managua“-schreiende Busfahrer, Verkäufer, die sich an die Scheiben des Busses pressen, sobald er anhält, um Getränke oder Snacks zu verkaufen, Autos die halb auseinander fallen, Straßenhunde, Häuser, Straßen, Landschaft...
Die 3 Tage in Matagalpa waren sehr entspannt und wir haben es sehr genossen, in Gesellschaft der anderen Freiwilligen zu sein. Einen Tag erbrachten wir an einem wunderschoenen Wasserfall, den anderen einfach nur mit Enstpannen, shoppen und Stadtbesichtigung.
Freitags frueh morgens verabschiedeten wir uns und machten uns auf nach Masaya. Unser dortiges Ziel: die 2 Märkte, auf denen es Kunsthandwerk zu ziemlich günstigen Preisen gibt. Mit unseren deutlich schwereren Rucksäcken als beim Hinweg, entschlossen wir uns spontan, schon samstags wieder nach Costa Rica zu fahren, da uns gesagt wurde, der Grenzübergang wird sehr voll sein am Sonntag. Tatsächlich gab es kaum eine Schlange an der Grenze und wir kamen flott daheim an. Den Sonntag nutzen wir, um uns auszuruhen, da wir immer noch etwas den Muskelkater vom Vulkanbesteigen spürten und das lange Busfahren einen doch schlaucht.
Wiedereinmal hatten wir eine wunderschöne Zeit in Nicaragua und sind beide (abgesehen von Muskelkater und leichtem Sonnenbrand) kerngesund wieder zurückgekehrt :-)
Sehr stark! Aber Wandern hat dir ja schon immer gefallen ;)
AntwortenLöschenJa, nicht nur Radeln macht die Wadeln stark!
AntwortenLöschenGruß von Jochen